Grabfeldrallye - Nostalgische Gefühle
Es gibt Veranstalter, die es mit dem großem DMSB aufnehmen und ihre eigene Rallyeserie machen, wo dann auch Fahrzeuge starten können, die bei DMSB-Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Der AMC Bad Königshofen veranstaltet seine renommierte Grabfeldrallye
Sulzdorf a. d. L / 04.07.2026 - Es gibt Veranstalter, die es mit dem großem DMSB aufnehmen und ihre eigene Rallyeserie machen, wo dann auch Fahrzeuge starten können, die bei DMSB-Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Der AMC Bad Königshofen veranstaltet seine renommierte Grabfeldrallye nunmehr seit 5 Jahren unter dem RSC (Rallye Super Cup)-Reglement. Hier sind dann auch die guten alten Gruppe H-Fahrzeuge zugelassen. Da von der Veranstaltung immer nur sehr gut gesprochen wurde, schlug ich bei einer Teambesprechung vor, die Grabfeldrallye einmal in Angriff zu nehmen.
Nachdem die Ausschreibung veröffentlich wurde, nannte Erich für uns bei der Grabfeldrallye. Schon wenige Tage später hatten 280 Teams ihre Nennung auf den Weg gebracht, wobei es gar nicht so viele Startplätze gab. Da aber immer ein paar Teams bis zur Veranstaltung abspringen oder vergessen, dass eine Nennung erst wirksam ist, wenn man auch das Nenngeld überweist, blieben am Ende nur 251 Teams übrig. Wir bekamen eine Nennbestätigung für die Klasse PC 3.3 (würde beim DMSB der Klasse NC 3 entsprechen) mit der Startnummer 131. Alle Autos der Klasse waren hintereinander gelistet und fingen bei 119 an und hörten bei 156 auf.
Rita und ich fuhren schon mittwochs hin, um uns einen guten Platz im Fahrerlager zu sichern. Bei der Anreise (Sulzdorf liegt in Bayernzwischen Schweinfurt und Coburg, unmittelbar der Grenze zur ehemaligen DDR) sahen wir schon, dass die Wertungsprüfungen bereits abgeflattert waren, wie auch die Zuschauerplätze, -parkplätze etc. Upps, hoffentlich liest Diddi den Bericht nicht, sonst wir bei der RKA auch sehr viel zeitiger aufgebaut.
Am Rallyezentrum waren natürlich auch schon die Campingplätze, der Parc ferme, das riesige Festzelt, Toilettenwagen, Duschmöglichkeiten usw aufgebaut. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt dachte man: das ist Rallye Oberehe zu alten Zeiten mindestens 3.0.
Und die ersten waren wir auch nicht. Eine gewisse Skepsis kam auf, als wir auf die Campingwiese fuhren, da es in der Nacht 60 l/m2 geregnet hatte und der Untergrund sagen wir mal sehr weich war. Wenn man über die Wiese lief bekam man auch, sofern man keine Gummistiefel trug, nasse Füße. Verstärkt wurde die Situation noch durch einen heftigen Regenschauer. Auf Nachfrage erklärte man mir, dass ausreichend Traktoren zur Verfügung stehen würden, um alle Fahrzeuge auf festen Untergrund ziehen zu können, falls es nötig sei.
Aber, was soll ich sagen, Petrus war gnädig und die Wiesen trockneten bis Freitagabend auf.
Jetzt zur eigentlichen Veranstaltung.
Da ich pünktlich überwiesen hatte, gehörten wir zu den Teilnehmern, die sich das Bordbuch am Freitag um 12:30 h abholen durften, um unseren Aufschrieb zu erstellen. Alle anderen bekamen das Bordbuch erst nach der Dokumentenabnahme (DA). Ich kann euch sagen, ich habe noch nie so entspannt einen Aufschrieb erstellt. Erst auf der Wertungsprüfung 4 sahen wir andere Teilnehmer.
Das vom Veranstalter erstellte Bordbuch war sehr umfangreich. Es enthielt neben den üblichen Angaben auch einen „Aufschriebvorschlag“ sowie die kompletten Chinesenzeichen für die Rückführung vom Ende der WP zu deren Anfang, um den Aufschrieb kontrollieren zu können. Ich habe auch noch keine Rallye gefahren, die so gut ausgepfeilt war!
Eigentlich sollten sechs verschiedene WP gefahren werden. Leider musste eine WP wegen einer maroden Brücke (kommt mir irgendwie bekannt vor) gecancelt werden. Gegen die möglichen Umleitungen gab es Einwände von Umweltschützern.
Die WP 1 hatte 8,0 km Länge mit 29% Schotteranteil, die 2 8,1 km mit 38%, die 3 12,3 km mit 13%, die 4 8,2 km mit 32% und der abschließende Rundkurs 2,5 km bei 3 Runden und das ganze bei einer Gesamtstrecke von 87 km. Auf den ersten 4 WP gab es 20 Belagwechsel von Asphalt auf Schotter.
Uns war auch von Anfang an klar, dass wir auf den oftmals sehr schnellen Strecken zu wenig Motorleistung haben würden. Wir im VW Golf 3 GTI haben eben nur 150 Serien-PS unter der Haube. Ein Renault Clio 3 RS oder ein BMW 320 iS (bekannt als Italo-M3) oder auch viele andere Fahrzeuge habe da schon bessere Voraussetzungen. Die Strecken waren uns auch vollkommen unbekannt, so dass wir den aufschrieb an vielen Stellen zu langsam gemacht hatten. Rechts und links neben der Strecke stand das Gras 30 bis 40 cm hoch und da räubert man nicht so einfach durch, wenn man nicht gute Ortskenntnisse hat.
Auf der ersten Prüfung des Tages waren wir schlicht zu langsam. Ursachen dafür gibt es einige. Eine ist, dass die letzte Rallye von uns Ostern gefahren worden war, also die Übung fehlte. In den Schotterbereichen drang auch viel Staub in das Fahrzeuginnere, was mir das Reden deutlich erschwerte. Von den 39 Autos in der Klasse waren nur 8 langsamer und ein Fahrzeug ausgefallen.
Als wir schon startklar vor der WP 2 standen, wurde die WP „kurz“ unterbrochen. Als Grund wurde angegeben, dass ein Fahrzeug schnell von der Strecke gezogen werden müsste. Dies schien aber nicht ganz so einfach zu sein. Also rückte ein Abschleppwagen an, der das Problem schnell lösen sollte. Leider wurde der Problemlöser zum Hauptproblem, da eine Hydraulikleitung platzte und das gute Hydrauliköl die Strecke einsaute. Jetzt musste die Feuerwehr her, um das Öl zu binden. Mit über 50 Minuten Verspätung in der heißen Mittagssonne waren wir einigermaßen weichgekocht. Wir waren der Meinung, dass wir die WP doch ganz gut gemeistert hätten. Gut war unsere Zeit trotzdem nicht.
Von der DK der WP 2 zum Start der WP 3 waren 500 m zu fahren. Also wollten wir die Helme auf dem Kopf lassen. Hier hieß es aber, dass die Helme abgenommen werden müssen, weil die Sicht eingeschränkt sei. Jeder der schon einmal mit dem HANS-System gefahren ist, weiß, dass das richtig ist. Da an der ZK vor dem Start aber Vorzeit erlaubt war, um wieder Zeit aufzuholen, war der Helm quasi sofort wieder auf dem Kopf.
Gleich nach dem Start ging es auf Schotter durch den Wald bergauf. Dank der vielen Allradler und unserer hohen Startnummer ging es da nicht so richtig vorwärts, weil der Golf ständig auf der Bodenplatte über den Dreck rutschte und die Räder nicht so richtig viel Traktion hatten. Damit war auch hier nicht an eine Topzeit zu denken.
Danach folgte erst die Servicepause und anschließend ein Regrouping. Hierfür hatte der Veranstalter 120 Minuten vorgesehen. Für uns waren es effektiv 54 Minuten.
Vor dem Start der WP 4 teilte uns der WP-Leiter mit, dass an ein er geräumten Unfallstelle vorsorglich eine gelbe Flagge gezeigt würde. Erich hatte die Ansage aber nicht richtig verstanden und reduzierte das Tempo ab der gelben Flagge deutlich. Dadurch verloren wir ein paar Sekunden, die aber letztlich wenig ausmachten.
Jetzt musste nur noch der Zuschauerrundkurs, ein Dreieckskurs, der bei 3 Runden bedeutete insgesamt neunmal Vollgas und dazwischen achtmal voll in die Eisen steigen, bedeutete. Drei Fahrzeuge wurden stehend im 15 Sekundenabstand auf die kurze Reise geschickt und nach 3 Runden mit der Zielflagge abgewunken.
Mensch und Maschine überstanden die Rallye ohne sichtbaren Schaden. Nachdem der Wagen im Parc ferme abgestellt, geduscht und gegrillt worden war gingen wir zum Zeitpunkt des geplanten Ergebisaushanges ins Festzelt. Ergebnisse hingen natürlich noch keine. Es sollte noch einige Zeit dauern bis diese tatsächlich (wie zu alten Zeiten in Papierform) ausgehangen wurden. Danach dauerte es aber lange bis zur Siegerehrung. Aber wie zu alten Oberehe-Zeiten flossen die Kaltgetränke reichlich. Wir Preussentranken „Kinderbiere“ (Bier aus 0,5 l Krügen) bei zivilen Preisen. Um 02.00 h war die Siegerehrung dann auch schon zu Ende und es gab ein großes Feuerwerk. Danach rockte dann eine Band bis 05.00 h die Bühne. Jetzt machte sich unser guter Stellplatz negativ bemerkbar, da an Schlaf nicht zu denken war. Bewundernswert war, dass die Helfer des AMC Bad Königshofen das Zelt schon wieder auf Vordermann gebracht hatten und Frühstück zubereiteten.
Es war eine toporganisierte Rallye mit einem Riesenstarterfeld. Prüfungen, die heute selten geworden sind, mit viel Schotter und der Möglichkeit an vielen Stellen zu cutten. Sollten wir noch einmal zur Grabfeld fahren, würden wir viel mehr cutten. Spaß hat sie gemacht die Grabfeldrallye.
Jetzt soll zur Oberehe der erste Schritt in Richtung Mehrleistung gemacht werden. Ich drücke uns, Erich und mir, die Daumen, dass alles so klappt, wie wir es uns vorstellen.
Jürgen Seidel
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